Um
1900 wurden Grunewald, Schmargendorf und Dahlem eigenständige Kirchengemeinden.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es für das ganze Gebiet nur den Wilmersdorfer
Pfarrer gegeben, der die anderen Gemeinden mitversorgte. In den Jahrhunderten
von der Reformation bis zum Ende der Landgemeinde Deutsch-Wilmersdorf
im Jahre 1906 hatte es in der Wilmersdorfer Pfarre nur 13 aufeinanderfolgende
Pfarrer gegeben. Als Pfarrer Friedrich Christoph Kriebitz 1896 seine Stelle
antrat, war er der letzte alleinige Pfarrer in Wilmersdorf. In seine Amtszeit
fiel der Einbruch der neuen Zeit, mit der er, wie sein späterer Amtskollege
Pfarrer Kaiser vermerkte, nur schwer Schritt halten konnte. Pfarrer Kaiser
charakterisierte seinen älteren Amtskollegen folgendermaßen
(siehe auch unten: Pfarrer Kaiser: Die Pfarrer von Wilmersdorf)
"Der
persönlich aller Ehren werte Konsistorialrat war der modernen Zeit
innerlich sehr abhold, lebte mit seinem Herzen ganz in der alten Zeit,
widmete seinem Dienst im Konsistorium viel Zeit und Interesse und lehnte
jede Erleichterung im pfarramtlichen Bürodienst schroff ab. Mit
seinem Küster, dem Konrektor Neisse, erledigte er alles am liebsten
selbst, auch die kleinlichen Schreibereien. Im Gemeindekirchenrat führte
er ein eisernes Regiment, das geduldig, manchmal auch ungeduldig, ertragen
wurde."
Dennoch
war es der Geheime Konsistorialrat Pfarrer Kriebitz, der sich für
den Bau der Halenseer Kirche besonders einsetzte. 1910 wurde die Kirche
am Hochmeisterplatz als zweite Wilmersdorfer Kirche eingeweiht. 1929
wurde die Kreuzkirche in Schmargendorf geweiht, die damals noch nicht
zum Kirchenkreis Wilmersdorf gehörte. 1933 kam die Kirche am Hohenzollernplatz
hinzu und 1936 schließlich die Lindenkirche.
Bis zum
Ende des zweiten Weltkriegs bildeten die vier Wilmersdorfer Kirchen
eine Kirchengemeinde mit gemeinsamem Gemeindekirchenrat in der Auenkirche.
Kurz nach dem Ende des Krieges löste sich dieser Verband auf. Seitdem
bestehen sie als selbständige Kirchengemeinden. 1948 wurde der
zu groß gewordene Kirchenkreis Kölln-Land I, der das ganze
südöstliche Berlin umfasste, in die drei Kirchenkreise Wilmersdorf,
Steglitz und Zehlendorf aufgegliedert. Zum Kirchenkreis Wilmersdorf
gehören nun auch die Kirchengemeinden Grunewald und Schmargendorf.
Durch die
Beschädigungen im 2. Weltkrieg waren außer der Schmargendorfer
Dorfkirche alle Kirchen des neuen Wilmersdorfer Kirchenkreises nicht
mehr benutzbar. Die Instandsetzungen zogen sich, bedingt durch den Geld-
und Materialmangel der Nachkriegszeit, sehr lange hin. 1949 wurde die
wiederhergestellte Auenkirche eingeweiht, 1951 die Lindenkirche, 1953
die Kreuzkirche, 1955 die Kirche am Hohenzollernplatz, 1956 die Grunewaldkirche
und schließlich 1958 die Hochmeisterkirche.
Am 18.
März 1961 wurde die neuerbaute VaterunserKirche eingeweiht. Und
zuletzt wurde 1965 die Danielkirche erbaut und als eigenständige
Gemeinde vom Gebiet der Kirche am Hohenzollernplatz und der Hochmeisterkirche
abgezweigt. Diese Aufteilung des Kirchenkreises besteht bis heute.
Für das 1955 erschienen Gemeindebuch der Evangelischen Kirchengemeinden
des Kirchenkreises Berlin-Wilmersdorf hat der langjährige Pfarrer
der Hochmeisterkirche Kaiser einen Beitrag über die kirchengeschichtliche
Entwicklung Wilmersdorfs geschrieben, den wir hier in voller Länge
wiedergeben:
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Die
Pfarrer von Wilmersdorf
Von allen
Pfarrern, die in den ersten dreieinhalb Jahrhunderten nach der Gründung
Wilmersdorfs im Dienst der mittelalterlichen
Mit dem Jahre 1539 begann die Reformation in der Mark Brandenburg, mit
ruhigem Geist, ohne Bilderstürmer und radikalen Bruch mit aller
katholischen Vergangenheit. Die führenden katholischen Priester
traten entweder nach dem Vorbild ihres Bischofs Matthias von Jagow in
Brandenburg zur evangelischen Lehre über, oder wurden, soweit es
möglich war, durch evangelische Prediger ersetzt; und diese Prediger
römischkatholischen Kirche ihr Amt hier verwaltet haben, fehlt
jede persönliche Nachricht. Sie waren nicht Missionare"
im ehedem heidnischen Gebiet, sondern sie waren mit und für die
deutschen christlichen Ansiedler gekommen und hatten gewiß in
der herben Einfachheit jener Zeit ihre Pflicht getan wurden durch sorgfältige
Visitationen auf die alten Bekenntnisse und die neuen evangelischen
Bekenntnisschriften verpflichtet und in ihre Rechte und Einkünfte
neu versichert und eine feste Kirchenordnung erlassen.
Aus jener ersten evangelischen Zeit wird uns aus dem Jahre 1543 der
evangelische Pfarrer Krüger genannt, ohne daß weiteres von
ihm bekannt wäre; dann um 1600 Gabriel Engel und aus den schweren
Zeiten des Dreißigjährigen Krieges Ambrosius Cappenius und
Lorenz Bernau, die die Verwüstung der Stadt miterlebten und den
Untergang der alten Dörfer.
Nach diesen ersten vier, sonst weiter nicht bekannten evangelischen
Pfarrern beginnt nun mit dem Wiederaufbau der Gemeinden eine seit 1665
ununterbrochene Reihe der Pfarrer von Wilmersdorf.
48 Jahre lang hat Pfarrer August Gerlach (von 1665 bis 1713) sein Amt
geführt im Geiste des strengen Luthertums und einer strengen Kirchenaufsicht.
Die Prüfungen im ersten und zweiten theologischen Examen stellten
hohe Anforderungen in Bibelkenntnis, den alten Sprachen und Vertrautheit
mit den Bekenntnisschriften. Eine Predigt durfte nicht länger als
eine Stunde dauern, sonst gibt es Strafe: zwei Taler in die Kirchenkasse
Jede Predigt mußte nachweislich konzipiert sein; Wiederholung
war verboten. Für die Feiertage galten strenge Bestimmungen. Das
alte Luthertum verbot jeden Christbaum in der Kirche, jedes Krippenspiel.
Wochengottesdienste sollten auf dem Lande montags, mittwochs, freitags
gehalten werden, kamen aber allmählich mehr und mehr ab. Der sonntägliche
Gottesdienst trug die altlutherische Form in regelmäßiger
Verbindung mit dem Heiligen Abendmahl, das zu halten war, auch wenn
nur c i n Kommunikant vorhanden sein sollte. Die Konfirmation kannte
Pfarrer Gerlach noch nicht - sie erfolgte erst einige Jahrzehnte später
-, wohl aber war auch ihm Jugenderziehung befohlen und Prüfung
der Jugend vor der ersten Feier des Heiligen Abendmahls. Nach der Verrohung
der jungen Menschen im Dreißigjährigen Krieg dürften
die Alten nicht warten, bis die Kinder das 15. und .16. Jahr erreicht
haben zum Lesen und Lernen des Katechismus, sondern mit dem 12. und
13. Jahr".
In die lange Amtszeit des Pfarrers Gerlach fiel noch die Krönung
des Kurfürsten zum König in Preußen am 18. Januar 1701
und die beginnende geistige Wirkung des Pietismus neben dem strengen
Luthertum, zudem (1691) Philipp Jakob Spener in Berlin wirkte und (1615)
die Universität Halle gegen die sächsischen streitbaren Universitäten
Jena und Leipzig gegründet war.
Diese Tradition wird im wesentlichen zur Zeit des Soldatenkönigs
Friedrich Wilhelms I. der Nachfolger im Amt Johann Christian Balde (1713-1740)
bewahrt haben. Über den Eindruck seiner Präsentation meldet
das Kirchenbuch: Die Predigt war sehr elaboriert und wurde mit
penetranter (de h. vernehmlicher) Stimme vorgetragen." Er schreibt
im alten Kirchenbuch von Dahlem, daß hier über dreißig
Jahre nicht gepredigt worden sei, weil das Dorf selbst öde
und wüste gestanden hatte und kein einziger Mensch dort gewohnt
hatte". Balde hat wieder Ordnung in die Verwaltung der Pfarrei
Dahlem gebracht, die Gemeinde neu gesammelt und mit der Anlage von Kirchenbüchern
1714 begonnen. Er war zweimal verheiratet. Seine zweite Frau neigte
mehr zum Stadtleben in Berlin; so mühte er sich für seine
Familie mit sechs Kindern selbst mit Arbeiten in Landwirtschaft und
Haushalt ab. Nach dem Brand seines Pfarrhauses übernahm er die
Pfarrstelle in Krenzlin.
Unter Friedrich dem Großen erhielten am 22. August 1740 der Propst
und Konsistorialrat Reinbeek und Amtsrat Sehwechten vom König den
Befehl, die beiden Kandidaten Peters und Fuhrmann an einem Tage hintereinander
in Wilmersdorf predigen zu lassen; aber der Herr von Wilmersdorf als
Patron der beiden Filialen Dahlem und Schmargendorf wünschte beide
Kandidaten auch zu hören. Bei der Wahl erhielt gegen die Stimme
des Patrons Pfarrer Fuhrmann das Pfarramt.
Samuel Gottlieb Fuhrmann hat Wilmersdorf 28 Jahre lang treu geführt,
zuerst gegen den Widerstand des Patrons und der Bauern in Dahlem, dann
in den Nöten des Siebenjährigen Krieges, dann, nach dem endlichen
Friedensschluß, als der große Brand im Dorfe Kirche und
Pfarrhaus einäscherte. Durch die Aufregungen, körperlichen
Anstrengungen und Verarmung wurde er kränklich, gemütsleidend
und starb mit 55 Jahren; er hinterließ seine Witwe und sieben
Kinder.
Sein Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Christoph Friedrich Henning,
391/4 Jahr alt. Er verwaltete das Pfarramt zwanzig Jahre (1769 bis 1789),
baute Kirche und Pfarrhaus wieder auf. In seiner Zeit herrschte der
Geist der Aufklärung, der sich auch in der Unmasse der aufgetragenen
Abkündigungen geltend machte: Über die Pflicht, Maulbeerbäume
zu pflanzen, die Seidenspinnerei zu fördern, Kampf gegen die Heuschreckenplage,
Vertilgung von Sperlingen und Krähen, geregelte Feuerwehr im Dorf,
Verbot, fremde Tücher zu kaufen und lieber selbst Flachs zu bauen
und Spinnräder laufen zu lassen u. dgl. Nach seinem Tode drohte
die Aufhebung der Pfarre von Wilmersdorf. Die Regierung als Patron von
Wilmersdorf scheute die Ausgaben für Pfarre und Kirche. Also sollte
Wilmersdorf an Schöneberg angegliedert werden, Kirchenland und
Pfarrhaus sollten verpachtet werden, und mit der Pacht sollte das Pfarrhaus
in Schöneberg massiv erneuert werden. Die Filialen Dahlem und Schmargendorf
sollten irgendwo einer benachbarten Pfarre angeschlossen werden. Aber
das Geistliche Ministerium unter Minister Wöllner ging darüber
hinweg und berief den Pfarrer und Rector Joachim Friedrich Kutzbach
aus Kremmen, geboren in Nauen als Sohn des dortigen Arztes und Apothekers.
Er wurde am 10. Dezember 1790 in die Pfarrämter Wilmersdorf, Schmargendorf
und Dahlem eingeführt; er amtierte hier bis zu seinem Tode 1807.
Er erlebte die Napoleonszeit mit allen ihren Schrecken. In der Chronik
von Wilmersdorf wird er charakterisiert als ein vorzüglicher philosophischer
Kopf und als ein guter Verwalter der Einkünfte und Liegenschaften
der Pfarre. Etliche Jahre nach seinem Tode allerdings sah sich der Superintendent
veranlaßt, Mißstände in der Gemeinde auf das Ärgernis
zurückzuführen, das ehemals durch den dem Trunk ergebenen,
sehr gesunkenen Pfarrer Kutzbach" gestiftet worden war. Ein Jahr
nach der grauenhaften Drangsalierung des Dorfes durch französische
Truppen starb er erschöpft; er hinterließ seine zweite Ehefrau,
in der Chronik gewürdigt als vortreffliche Mutter, Hausfrau und
Landwirtin, und mehrere Kinder.
Während die Franzosen Berlin besetzt hielten und in der Stadt nach
den ersten lähmenden Erschütterungen eine durchaus würdige
Haltung in den leitenden Kreisen eingenommen wurde - als Schleiermacher
das anerkannte Haupt einer inneren, gesammelten, geläuterten Widerstandsbewegung
wurde -, wurde in das arg heimgesuchte Wilmersdorfer Pfarramt der Nachfolger
Schleiermachers an der Charité in Berlin, Pfarrer Christoph Eberhard
Wilhelm Ritter, berufen. Er verwaltete das Pfarramt vom 8. Januar 1809
bis 28. November 1846 und erlebte den beginnenden Übergang Wilmersdorfs
aus einem kleinen märkischen Dorf zu einem bevorzugten Villen-Vorort
von Berlin in der Fülle der Geschichte seiner Zeit. Er war ein
einfältig frommer Mann, ein philosophischer Kopf und ein geschickter
Organisator. In stiller, treuer Arbeit mühte er sich unermüdlich,
die Folgen der unglücklichen zurückliegenden Jahre zu überwinden
und die ihm anvertrauten Gemeinden in Ordnung zu halten und zu festigen.
Er ließ mancherlei größere und kleinere Bauarbeiten
an den Kirchen und anderen kirchlichen Gebäuden ausführen,
sorgte für Anschaffung neuer Ausstattungsstücke von der Altarbekleidung
bis zur Orgel und Turmuhr. Dazu kam seine Arbeit als Organisator des
Pfarrvermögens, die Neuordnung der Verpachtung der kirchlichen
Ländereien und das Pfarrarchiv. Dieses wurde seine stille Gelehrtenarbeit.
Mit bewundernswertem Fleiß hat er die Geschichte seiner Vorgänger
im Amt erforscht und aufgeschrieben. Er starb im Alter von 73 Jahren.
Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem alten Kirchhof. Sein Grab
ist auch heute dem Besucher der neuen Auenkirche noch an der Westwand
erhalten.
Bei seinem Tode waren die drei Gemeinten noch Dörfer, die zwar
den ersten Zuzug wohlhabender Bürger, welche sich hier Landhäuser
bauten, erhielten. Das kirchliche Leben wurde hiervon aber noch nicht
viel berührt. Die drei nächsten Nachfolger Ritters waren jeder
nur wenige Jahre hier im Amt. Friedrich August Schulz, vorher Diakonus
und Rektor in Bat Freienwalde, der das Revolutionsjahr 1848 miterlebte,
hat über Wilmersdorf und sich selbst nichts Besonderes berichtet.
Zur Zeit des Pfarrers Julius Friedrich Michaelis (1854-1864) wurde aus
dem Dorf Wilmersdorf bereits eine gewisse Landgemeinde. Ihm folgte ein
Pfarrerssohn: Heinrich Gottlob Eger. Er kam aus Izabel (Brasilien) und
blieb nur vier Jahre in Wilmersdorf.
Dann aber kam mit Pfarrer Otto Andreae 1870 aus Westfalen im Alter von
45 Jahren der Geistliche, der den Übergang aus der Zeit der Dorfgemeinte
zu einer unaufhaltsam wachsenden Vorortgemeinte Berlins miterlebte und
nach Kräften ihr gerecht zu werten suchte. Neben dem zusehends
sich vergrößernden Wilmersdorf mußte er die 1872 entstandene
Kolonie Friedenau mitversorgen. Unter Pfarrer Andreae wurden neue Kirchenbauten
erwogen: entweder die seit etwa 1770 bestehende Kirche an der Wilhelmsaue,
die nur dreihundert Plätze hatte, abzureißen und dort eine
neue zu bauen, oder eine zweite im Norden, etwa am jetzigen Hohenzollernplatz,
zu bauen. Andreae war gegen den Abriß und glaubte, einstweilen
mit der alten Kirche auszukommen. Den Friedenauern versprach er, dorthin
zu kommen und in Privathäusern Gottesdienste zu halten. Das geschah
tann auch in sehr unzulänglichen Räumen. Nachdem Friedenau
eine eigene politische Gemeinte geworden war, konnte dort das Gotteshaus
am Friedrich-Wilhelm-Platz errichtet werten. 1889 wurde dort eine selbständige
Kirchengemeinte mit eigenem Pfarrer geschaffen, und der Wilmersdorfer
Geistliche war der zusätzlichen Belastung ledig.
Andreaes Nachfolger wurde Hofprediger Richard Julius Schrader im Alter
von 49 Jahren. Von 1879-91 war er Amtsbruder des temperamentvollen Hofpredigers
Stöcker am Dom und hatte es nicht leicht neben ihm und mit ihm.
Jedenfalls verzichtete er auf diese Stelle und übernahm gern Wilmersdorf,
das ja nun auch immer mehr den Charakter einer Stadtgemeinde bekam,
obwohl über der Wilhelmsaue selbst noch immer etwas von der Stille
der alten Aue lag. Schrader vergrößerte das Pfarrhaus, gründete
einen Frauenverein, den Helferkreis der Kindergottesdienste und sah
die Notwendigkeit erweiterter kirchlicher Aufgaben, aber er fühlte
sich durch die Eigenart der Entwicklung der politischen Gemeinte gehemmt.
Er war auch der erste Pfarrer, der mit dem Pfarramt das Amt eines Konsistorialrats
verband und dadurch noch mehr in der völligen Hingabe an die dringenden
Aufgaben in Wilmersdorf gehindert wurde. Er wirkte hier nur fünf
Jahre; dann starb er 1895.
Ihm folgte am 1. Januar 1896 bis Oktober 1917 Friedrich Christoph Kriebitz,
59 Jahre alt, früherer Militärpfarrer, Bitter des Eisernen
Kreuzes am weißen Band, Sohn eines Divisionsküsters in Erfurt.
Zugleich nun auch Konsistorialrat in Berlin, war er ein kerniger Charakter,
ganz durchdrungen von militärischer Disziplin, eine hagere, eindrucksvolle
Gestalt mit markantem Gesicht, persönlich völlig anspruchslos,
von innerer Herzensgüte, die aber meist unter einer sehr rauhen
Oberfläche verborgen war, geneigt zum Befehlston auch im kirchlichen
Umgang, und wenig veranlagt zu wirklich brüderlichem Verkehr. Er
war, alt, er eintrat, der letzte alleinige Pfarrer von Wilmersdorf und
konnte sich nur sehr schwer in die neue Zeit hineinfinden, die auf das
dringendste eine längst notwendige Vermehrung der Pfarrstellen
und der Kirchenbauten forderte; wuchs doch \Wilmersdorf während
seiner Amtszeit in geradezu amerikanischem Tempo an. Nachdem von der
Pfarrstelle die Verantwortung für Friedenau, Schmargendorf, Dahlem
und Grunewald, die zu selbständigen Gemeinten erhoben wurden, genommen
war, hätte man sich um so mehr nun auf die Entwicklung im eigenen
Raum als Großstatt einstellen können. Aber hier kamen nun
Hemmungen auf Hemmungen, die der Konsistorialrat, spätere Geheime
Konsistorialrat, Erste Pfarrer und frühere Militärpfarrer
nicht zu meistern wußte - soweit das hier, wie überall in
den Berliner Gemeinten, möglich gewesen wäre. Zwar wurde endlich
eine neue Kirche gebaut, die Auenkirche, sonst aber blieb die kirchliche
Bauentwicklung still. Die längst notwendig gewordene angemessene
Vermehrung der Pfarrstellen unterblieb auch; nur ein Hilfsprediger,
später erst ein zweiter Pfarrer wurden berufen. Der persönlich
aller Ehren werte Konsistorialrat war der modernen Zeit innerlich sehr
abhold, lebte mit seinem Herzen ganz in der alten Zeit, widmete seinem
Dienst im Konsistorium viel Zeit und Interesse und lehnte jede Erleichterung
im pfarramtlichen Bürodienst fast schroff ab. Mit seinem Küster,
dem Konrektor Neisse, erledigte er alles am liebsten selbst, auch die
kleinlichen Sehreibereien. Im Gemeindekirchenrat führte er ein
eisernes Regiment, das geduldig, manchmal auch ungeduldig ertragen wurde.
Noch vor dein Ente des ersten Weltkrieges wurde er in den Ruhestand
versetzt. Ein halbes Jahr danach, am 9. April 1918, entschlief im 81.
Jahr der alte Pfarrer. Er wurde aufgebahrt vor dem Altar der in seiner
Amtszeit erbauten Auenkirche. Seine Freunde sagten: Wenn es möglich
gewesen wäre, am liebsten in einem Sarg mit den altpreußischen
Farben, schwarz und weiß, wie die Schilderhäuschen der preußischen
Wachenl"
Während in den Jahrhunderten, von der Reformation bis zum Ende
der Landgemeinde Deutsch-Wilmersdorf", mit einem Pfarrer
und einer Kirche nur dreizehn Pfarrer nacheinander gefolgt waren, stieg
bis 1949 die Zahl weiter von 13 auf 40, und diese Zahl reicht noch nicht
aus.
Seit Beginn des Jahrhunderts bis 1936 wurden die fünf neuen Kirchen
und die Gemeindehäuser im Stadtbezirk Wilmersdorf gebaut. Die Reihen
der Pfarrer an den einzelnen Kirchen weisen folgende Namen auf.
1. An der Auenkirche die Pfarrer Theodor Kypke, Rudolf Kugel, D. Theodor
Lang, Wilhelm Lunte, Kurt Peters, Felix Schultze, Werner Knobel, Wolfgang
Krössin, Kurt Schubert.
2. An dir Hochmeisterkirche die Pfarrer Hans von Schierstedt, Albrecht
Kaiser, Max Ulich, Gerhard Hopp, Friedrich Zunkel, Heinz Jensch, Artur
Borchers.
3. An dir Kirche am Hohenzollernplatz die Pfarrer Dr. Dr. Adolf Schettler,
Dr. Otto Frommel, Berhard Teicke, Eduard Lindenmeyer, Max Mehlfeld,
Friedrich Lindenmeyer, Herbert Kittel. 4. An der` Lindenkirche die Pfarrer
Heinrich Beschoren, Heinrich Hüffmeier, August Winkler, Johannes
Block, Hans Engeln, Richard Ademeit, Rudolf Neuberg, Wolfgang Schaeffer,
Ortwin Wendland.
5. In Schmargendorf die Pfarrer Friedrich Daab, Hugo Nehmiz, Lic. Wilhelm
Scholz. Friedrich Künkel. Georg Blich, Ernst Jacobi, Erhard Schendel,
Lic. Dr. Herbst, Werner Zillich.
6. In Grunewald die Pfarrer D. Dr. Hermann Priebe, Karl Neutmann,Lic.
Bernhard Schlauck.
Nach dir Beendigung dis letzten Krieges führte die Neuordnung der
Kirche auch die Aufteilung dis viel zu groß gewordenen Kirchenkreises
Kölln-Land I in drei neue, kleinere Kirchenkreise, Wilmersdorf,
Steglitz, Zehlendorf, herbei. Zum Superintendenten unseres Kirchenkreises
wurde Pfarrer Hüffmeier von der Lindenkirche berufen und *m 21.
Mai 1948 in der Kreuzkirche zu Schmargendorf durch Bischof D.Dibelius
in sein neues Amt eingeführt.
Kaiser
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